Zarah – Wilde Jahre: Das ZDF lässt die Emanzipation der 70iger Jahre aufleben!

Zarah ist beruflich erfolgreich, unverheiratet und kämpft für die Rechte der Frauen. Dafür scheut sie keine Herausforderung und wird stellvertretende Chefredakteurin bei „Relevant“ – einem Männer dominierten Magazin mit häufig sexistischen Inhalten. Und das alles spielt in den 70iger Jahren. Wie gut die ZDF-Serie wirklich ist, verrate ich im Folgenden!

Zarah – Eine Frau, die kämpft

Zarah Wolf (Claudia Eisinger) ist erfolgreiche Autorin und hat sich in Deutschland als Vertreterin der Emanzipation einen Namen gemacht. Aber sie will noch mehr erreichen und wird stellvertretende Chefredakteurin bei „Relevant“. Warum? Um Geschichte über Frauen zu erzählen, die sonst verschwiegen werden: Geschichten über die in den 70igern noch strafbare Abtreibung oder über Frauen, die von ihren Männern misshandelt werden und sich aufgrund der Rechtslage nicht wehren können. Nebenbei rangiert sie auch sexistische Coverbilder aus. Trotz Gegenwind aus der männlichen Redaktion setzt sie sich durch – wenn auch oft mit etwas Glück. Aber der Wunsch durch ihre journalistischen Tätigkeiten für Aufklärung im Land zu sorgen ist nicht ihr einziger Kampf: Zarahs Mutter liegt im sterben. Kurz für ihrem Ableben erzählt die Mutter ein Geheimnis über Zarahs Vater, einem SS-Offizier. Gleichzeitig muss Zarah feststellen, dass es eine Verbindung zwischen ihrer Mutter und der RAF gibt. Und dann gibt es noch Jenny Olsen, die junge Verlagstochter, die ihr den Kopf verdreht und ihre Ziele gefährden könnte.

Das Interessante oder das Spannende an dieser Zeit ist, dass es so eine Zeit des Aufbruchs ist. Auf der einen Seite hat man es mit unglaublich verhärteten, unglaublich alten Strukturen zu tun, und auf der anderen Seite ist eine unglaubliche Aufbruchsstimmung, diese Strukturen aufzubrechen. Das macht diese Zeit eben so reizvoll und so explosiv irgendwie auch. (Claudia Eisinger zu den 70iger Jahren)

Zarah stellt die 70iger auf den Kopf

Die ZDF-Produktion lässt die 70iger Jahre mit viel Liebe zum Detail auferstehen: Die Mode, die Möbel, die Tapeten, die Politik, die Gegebenheiten der Zeit – alles passt perfekt. Und trotzdem fehlt der letzte Schliff um das Bild der 70iger perfekt zu machen. Vielleicht liegt es an der Hauptfigur, die ohne Probleme auch in einem Film zu einer späteren Zeit spielen könnte. Aber ich verzeihe Zarah, denn ich bin ein Fan von Claudia Eisinger. Alle anderen Figuren wirken jedoch wie Abziehbilder: Die Sekretärin, die etwas mit dem Verlagschef anfängt, die wilde Verlagstochter, das Machogehabe der Redakteure, die verwirrte Mutter. Die stereotypen Protagonisten schaffen es auch nicht über ein Drehbuch ohne Überraschungen oder Wendungen hinwegzutäuschen. Aber trotzdem ist es spannend! Denn: Die deutsche Geschichte der 70iger Jahre bringt ganz von selbst ihre Faszination mit sich.

Was machen wir nun mit Zarah?

Ich bin hin- und hergerissen. Auf der einen Seite mag ich die Serie schon allein ihres Themas wegen. Auf der anderen Seite überzeugt mich die Umsetzung noch nicht hundertprozentig. Auf jeden Fall nimmt sie jedoch Fahrt auf, nachdem einmal alle Clichés abgeklopft worden sind. So lohnt sich zwar ein Blick in die ZDF-Produktion, aber leider kein Muss. Schade…

Wer reinschauen will: Die ersten vier Folgen findet ihr online in der ZDF-Mediathek. Und im linaren Fernsehen jeden Donnerstag um 21 Uhr 15 auf ZDF.

~UPDATE~ Kaum ging mein Blogbeitrag online, gab das ZDF eine Entschluss bekannt: Zarah läuft ab sofort zu gleichen Sendezeit auf ZDFneo. An anderer Stelle werde ich sicherlich mal die Debatte aufwerfen, ob das deutsche Fernsehen nicht immer zu früh aufgibt… ~UPDATE ENDE~

Mehr Infos auf www.zdf.de

 

Und wo stehen wir heute mit der Emanzipation? In den Sarah Stendel zieht in ihrer Rezension einen Vergleich – auf jeden Fall lesenswert!

 

Lieber hungrige Zombies statt feministische Journalistinnen? Kein Problem: iZombie – Es kommt aufs Gehirn an!

 

2 Replies to “Zarah – Wilde Jahre: Das ZDF lässt die Emanzipation der 70iger Jahre aufleben!”

  1. Das trifft sich gut, dass du darüber schreibst, denn ich habe mich sehr geärgert, dass ich die Serie nicht doch angefangen habe zu schauen. Scheinbar ist es darum jetzt nicht soooo schade, aber die Ungewissheit nagt ja doch manchmal an einem. Für eine deutsche Produktion finde ich das Thema aber mutig und richtungsweisend. Hat vielleicht einen Schlag Mad Men + deutsche Identität, eigentlich ganz interessant.

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