Warum gerade alle „American Gods“ schauen

Wikinger stranden an der Küste einer Insel. Doch sie können den Strand nicht verlassen, denn sobald sie einen Fuß in den angrenzenden Wald setzen, hagelt es Speere. Also wollen sie zurück aufs Meer – können es aber nicht, weil es eine Flaute gibt. In ihrer Ausweglosigkeit beten sie ihren Gott an. Da er ein Kriegsgott ist, kommt es über kurz oder lang zum Kampf, in dem viele Opfern sterben. Blut spritzt in alle erdenklichen Richtungen. Manchmal fliegt gleichzeitig ein Zahn durch die Luft. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es unappetitlich. Aber dennoch ist es sehr ästhetisch in Szene gesetzt. Nach dem Kampf können die Überlebenden endlich wieder Segel setzen.

Wenn ich erstmal verwirren darf

Aber wie es mit den Wikingern weitergeht, spielt keine Rolle. Als nächstes befinden wir uns in der Gegenwart, wo Shadow Moon aus dem Gefängnis entlassen wird. Er darf früher als gedacht gehen, weil seine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Auf seinem Weg nach Hause trifft er einen schrägen Typen, der ihm einen Job anbietet. Und das ist die Geschichte, zu der wir immer wieder zurückkehren.

In der zweiten Folge machen wir einen Abstecher auf ein Sklavenschiff. Zwischendrin sind wir immer wieder bei einer Sexsüchtigen Göttin, die ihre Liebespartner komplett in sich aufnimmt. Und ach ja, dann gab es dann ja auch noch die Szene mit der Frau, die vom Tod abgeholt wird.

Das beste Blut fließt bei Sonnenaufgang

Aber kommen wir wieder zurück zu Shadow Moon und seinem skurrilen Auftraggeber, der offenbar Feinde aus der Zukunft hat. Denn Shadow Moon bekommt Besuch von einer virtuellen (?) Person, die droht ihn zu löschen. Aber egal, jetzt müssen wir erstmal den Hammer abholen, den der Chef für einen Auftrag braucht. Spielen wir noch eine Runde Dame. Wenn der Hammer verliert, kommt er anstandslos mit. Wenn er gewinnt, dann darf er Shadow Moon bei Sonnenaufgang den Schädel einschlagen.

Der Clou mit den Zeitschienen und den offenen Fragen

Nach all der Verwirrung, kommen wir nun zu dem, was wir kennen: Zeitsprünge und offene Fragen. Die erste Serie, die das in Perfektion verwirklichte, war in meiner Wahrnehmung „Lost„. Aktuell schafft es „The Preacher“ sehr gut mit diesen Elementen zu arbeiten. Für den Zuschauer ist es fies: Sprünge durch die Zeit machen ihn neugierig darauf, welche Entwicklung es innerhalb der noch nicht gezeigten Zeit gegeben haben mag. Wenn zusätzlich auch noch unerklärliche Elemente, Phänomene oder Ereignisse auftreten – perfekt! Der Zuschauer kann sich nicht mehr retten und muss sich quasi zum Bingen verpflichten.

… und warum ich „American Gods“ nicht mehr schaue

Aber während es in „Lost“ oder „The Preacher“ auch emotionale Gründe gab dran zu bleiben, weckt „American Gods“ keine einzige Emotion in mir. Warum?

  1. Es gibt keine Identifikationsfigur

Keine der Figuren ist sympathisch – und sei es auch nur, weil sie besonders cool oder besonders sarkastisch ist. Am schlimmsten ist die Hauptfigur Shadow Moon. Was treibt ihn an? Verständlicherweise ist ihm gerade alles egal. Aber warum arbeitet er für den schrägen Typen? Was reizt ihn?

2. Ein ästhetisches Szenenbild – aber ohne Bedeutung

Eine Kerze in Zeitlupe ausblasen. Regentropfen in Slowmotion zeigen. Nichts Neues. Aber aus ästhetischer Sicht wunderschön umgesetzt. Dennoch ist die Frage, warum die Figuren in derlei Zeitlupen-Szenen so bedeutungsschwanger in die Kamera starren? Aber welche Bedeutung sollte das Starren haben? Und wenn man genau hinschaut, sind es dann nicht eher leere Blicke?

3. Diese Musik!!

Was soll das für Musik im Abspann sein? Inwieweit passt die zur Serie?

4. Die Sache mit Gott

Die offenen Fragen und die alles übergreifende Frage, wie alles zusammenhängt, ist – wie bereits erwähnt – der einzige Grund dran zu bleiben. Aber seien wir doch ehrlich: Die Antwort kann gar nicht gut und schon gar nicht befriedigend sein. Wir haben es bei „Lost“ gelernt – sobald Gott im Spiel ist, wird es… sagen wir „diskussionsbedürftig“. Es gibt zu viele Fragen, deren Antwort lauten wird: „Es ist so, weil diese Welt, in der die Geschichte spielt, so ist.“ Und die Welt, in der das spielt, gefällt mir einfach nicht. Ich kann nicht daran glauben, dass ich am Ende sagen werde: „Es hat sich gelohnt die Serie zu gucken.“

Also: Schaut ihr mal weiter und erzählt mir dann, wie es war. Ich bin raus.

 

Was sagt ihr zu „American Gods“? Kennt ihr die Buchvorlage? Ist die Serie sehr viel anders als das Buch? Welche Serie habt ihr zuletzt abgebrochen, weil sie euch nicht überzeugt hat?

 

 

 

12 Replies to “Warum gerade alle „American Gods“ schauen”

  1. Ich kenne das Buch nicht.
    die serie hat was… Auf der einen Seite fragt man sich, warum man sich das eigentlch antut aber auf der anderen Seite fesselt sie irgendwie auch. Ich wollte immer wissen, was da los ist und der Clou am Ende ist schon was. Ich hatte auf jemand anderen getippt 😉

      1. Versuch es mal… es ist mega schräg und manchmal hat man das Gefühl, man versteht kaum was… aber irgendwie hat diese Serie eine besondere Anziehungskraft.

  2. Das Buch ist definitiv lesenswert. Ich hab mit der Serie noch nicht angefangen, weil dieses ständige eine Woche auf die nächste Folge warten bin ich nicht mehr gewohnt. 😉

    1. Ich hab mich tatsächlich auch gefragt, ob mein Eindruck ein anderer wäre, wenn ich alles durchgeguckt hätte ohne ne Woche Pause zwischen den Folge!

      Ich kenne das Buch nicht. Kann mir aber gar nicht vorstellen wie das in Buchform aussehen soll… drum würde mich mal interessieren wie nah die Serie am Buch ist…?

      1. Kann ich dir dann sagen, wenn ich die Serie geguckt hab. Der Trailer greift aber schon einige Elemente, die auch im Buch Thema sind auf. Und das Buch bietet eine schier endlose Zahl an interessanten Charakteren. Da könnte man so einige Serienstaffeln draus machen…

  3. Eine Chance gebe ich der Serie noch… Wir waren aber beide überhaupt nicht angetan von den ersten Folgen. Bissel schwach auf der Brust, nervtötende Sprünge. Ich mag die Schauspieler, da hört s dann schon auf 😀 Der „Hauptdarsteller“ hat ja auch bei The 100 mitgewirkt. Ich hoffe vom Preacher gibt es bald mehr zu sehen. Die Serie finden wir beide genial 😀

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