The 100 – Serie oder Buch?

Gerade ist in Deutschland die zweite Staffel der SiFi-Serie „The 100“ zu Ende gegangen und bis zur dritten Staffel werden noch viele Sterne fallen. Daher wollte ich in der Zwischenzeit die Buchreihe lesen. Allerdings ist in den Büchern einiges anders! Schauen wir uns das mal näher an…

Entstehungsgeschichte und Inhalt

Normalerweise schreibt ein Autor ein Buch und die Fernseh-/Filmwelt nimmt den Hype auf. Bei „The 100“ lief das etwas anders. Buch und Serie entstanden ziemlich zeitgleich, da das Buchprojekt von außen an die Autorin Kass Morgan herangetragen wurde. Gerade deshalb unterscheiden sich Buch und Serie in vielen wesentlichen Dingen. Die Grundidee ist jedoch die gleiche: In einer postapokalyptischen Welt ist die Erde nach einem Atomkrieg unbewohnbar geworden und nur noch wenige Menschen leben in einer Raumstation im All. 300 Jahre (Buch)/100 Jahre (Serie) nach Verlassen der Erde werden 100 straftätig gewordene Jugendliche auf die Erde geschickt, um zu testen, ob diese wieder bewohnbar ist.

Figuren und Handlungen

Im Buch wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven von Clarke, Wells, Bellamy und Glass erzählt. In Band 1 kommt es dabei häufig zu Rückblenden, die das Leben auf der Raumstation näher beleuchten. Somit erfährt der Leser über die Vergangenheit der Figuren im Buch wesentlich mehr als in der Serie. Doch während sich im Buch alles um das Liebespaar Glass/Luke (nicht Teil der Serie) und die aufkeimende Dreiecksbeziehung Clarke/Wells/Bellamy sowie die geschwisterliche Beziehung Bellamy/Octavia dreht, bringt die Serie richtig Action in die Handlung.

Man neigt dazu an „Der Herr der Fliegen“ zu denken. Aber es gibt kaum direkte Parallelen. Figuren wie Murphy, Jasper, Monty und Raven bringen eine spannende Dynamik in die Gruppe der Jugendlichen – allerdings sind dies Figuren, die es in den Büchern nicht gibt. So wird im Buch zwar über die Idee nachgedacht, einen von ihnen zur Bestrafung zu töten, aber der Moment verpufft schnell und man entscheidet sich für eine Verbannung. Auch Finn – loveintrest von Clarke – existiert im Buch nicht, dafür spielt Wells in der Serie eine sehr viel kleinere Rolle.

Die Figurenkonstellation und die Action haben mich in der Serie wesentlich mehr überzeugt, wodurch Band 1 der Buchreihe ein unheimlich langweiliges Lesevergnügen geworden ist. Ich kann auch nicht verstehen, wie im Buch das erste Betreten der Erde so unerwähnt bleiben konnte.

Grounder/Earthborn, Moutain Men, Reaper

Ab hier muss ich gestehen, dass ich Band 2 und 3 der Buchreihe nicht gelesen habe und daher meine Behauptungen auf einer Recherche beruhen, die ihre Fehler beinhalten kann.

Grounder – oder wie sie im Buch genannt werden: Earthborn – waren in der Serie ein entscheidender Faktor um Spannung zu erzeugen: Es ging um Fragen nach dem Krieg. Wie sinnvoll ist Krieg? Lässt sich Krieg nicht auch vermeiden? Und ist man bereit wenige Menschenleben gegen viele Leben zu opfern? Wie weit kann man im Krieg gehen? Welche Verantwortung tragen die Anführer im Krieg? Und wie gehen sie damit um?

Tja… im Buch ist das anderes. Die Earthborn sorgen für Konflikte, aber im Vergleich zur Serie fehlt halt einfach immer was…

Über die Moutain Men will ich eigentlich gar nicht reden! In der zweiten Staffel haben sie den Zuschauer wirklich den Atem geraubt. Darf man andere Lebewesen zum eigenen Nutzen töten? Und am Ende: darf man Menschen töten um selbst zu überleben? Im Buch… nun ja… da existieren sie so nicht und damit schlussendlich auch keine Reaper.

Unterm Strich

Ich brauche nicht lange um den heißen Brei herum reden, denn in meiner Ausführung wird schon lange klar, wie mein Fazit ausfällt: Die Serie ist der Wahnsinn! Ich war oft überrascht, die Konflikte waren spannend und die Figuren sind großartig dargestellt. Die Bücher (bzw. Band 1) können dem nicht das Wasser reichen (auch wenn ich sicher bin, dass es in Band 2 und 3 weit mehr zur Sache gehen wird). Vielleicht merkt man auch einfach, dass die Autorin, die ihr Handwerk durchaus beherrscht, der eine Funken an Inspiration fehlt, den Schreibende haben, wenn sie eine eigene Idee verwirklichen. Vielleicht war es auch ein Fehler von mir zuerst die Serie zu sehen und dann das Buch zu lesen. Oder vielleicht bin ich aus diesem jugendlichen Liebesgeschichten einfach herausgewachsen und kann ihnen zu wenig abgewinnen. Ich brauche mittlerweile einfach mehr Abenteuer – und das kann die Serie auf jeden Fall viel besser bieten.

Was meinst ihr? Habt die Serie gesehen? Die Bücher gelesen? Welches Medium hat die Geschichte besser umgesetzt?

6 Replies to “The 100 – Serie oder Buch?”

  1. Habe nur die ersten 6 Folgen von Staffel I gesehen. Lief hier immer sehr spät in der Nacht, und als ich dann eine Doppelfolge verpasste, war ich leider draußen… Aber wenn sie wiederholt wird, versuche ich es nochmal.
    Die ersten Folgen haben mir recht gut gefallen. War immer Spannung drin. Auch die Fragen nach Gerechtigkeit bzw. Recht ohne irgendeinen institutionellem Rahmen fand ich hochinteressant. Wie gehen die „100“ mit Mödern innerhalb ihrer Gruppe um. Wer setzt sich in den Diskussionen durch, die Falken oder die Tauben?
    Sehr gut gemacht und als Stilelement einfach großartig, wenn eine Bedrohung vorhanden ist, die man aber mehrere Folgen lang nicht konkret zu sehen bekommt. Also diese Earthborn (oder Grounder). Ähnlich wie bei Lost in den frühen Staffeln, wo die „Anderen“ keiner kannte und das ist als Stilelement einfach toll. Wenn man sie dann sieht und ihre Motive kennt… na ja… ;o) Lieben Gruß!

    1. Oh ja, das kenne ich, wenn man wegen schlechter Sendezeiten mal was verpasst und dann raus! Aber gerade wenn dir diese recht und gerechtigkeitssache gefallen hat, dann lohnt es sich weiterzuschauen! Ich glaub, bei clipfish kann man die folgen sogar online sehen… Oder myvideo… Irgendwo auf jeden Fall…
      Liebe Grüße auch am dich 🙂

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