Sebastian Fitzek: Splitter – Was würdest du tun, wenn du eine Erinnerung löschen könntest?

Sebastian Fitzek ist einer der wenigen deutschen Thrillerautoren, die auch in den USA gelesen werden. Mit „Die Therapie“ hatte der Jurist und ehemalige Programmdirektor verschiedener Radiostationen 2006 seinen großen Durchbruch. Seitdem ist die deutsche Thrillerlandschaft ohne neue Bücher von Fitzek nicht mehr denkbar. Und obwohl ich kein großer Thriller-Fan bin, gab ich ihm deshalb eine Chance und versuchte mich an „Passagier 23“ – es war ein kleiner Reinfall. Die Grundgeschichte fand ich toll, aber irgendwie war zu viel von allem in das Buch gepresst. Und trotzdem hat mir sein Schreibstil genug gefallen, um dem Autor noch eine Chance zu geben. Auf Empfehlung hin fiel meine Wahl auf „Splitter“.

Ein Mann, der Splitter und eine Welt, die ihn vergessen hat

Marc Lucas hat seine Frau und sein ungeborenes Kind bei einem Autounfall verloren. Seitdem leidet er unter Schmerzen. Nicht nur Physisch durch den Splitter, der sich bei dem Unfall in seinen Hinterkopf gebohrt hat, sondern auch seelisch. Am liebsten möchte er alles vergessen und genau da liest er in einer Zeitungsannonce von einer Klinik, die Experimente durchführt, bei denen Menschen ihre schlimmsten Erlebnisse vergessen lernen. Lucas zögert, hört sich das Angebot an, kann sich aber noch nicht entscheiden. Als er die Klinik wieder verlässt, hat sich aber alles verändert: Die Welt scheint ihn vergessen zu haben. Sein Wohnungsschlüssel passt nicht mehr, ein anderer Name steht an der Tür, an seinem Arbeitsort kennt man ihn nicht mehr, sein Konto ist gesperrt und eine fremde Frau berichtet ihm von einer Verschwörung…

Zwei Brüder, die sich nicht mehr kennen

Als Jugendliche haben Marc und Benny Lucas gemeinsam in einer Band gespielt. Dann lebten sie sich auseinander. Benny versuchte mehrfach sich das Leben zu nehmen, Marc fand sein Glück in seiner Frau Sandra und bei seinem Beruf als Streetworker. Dann wird Benny aus der Klink entlassen. Er besorgt sich viel Geld und folgt den Aufträgen des Kriminellen Valka. Zur gleichen Zeit verliert Marc seine Frau bei einem Autounfall. Genau jetzt kreuzen sich die Wege der Brüder wieder.

Die verlassene Hütte im Wald

Schwer verletzt taucht Marc eines Abends in einer Hütte im Wald auf. Professor Haberland, der sich dorthin zurückgezogen hat, bleibt überraschend ruhig als er mit einer Waffe von Marc bedroht wird. Er weiß: Der Mann sucht nach Hilfe und nach seiner Erinnerung. Marc hat zahlreiche Blessuren, Knochenbrüche, lose Zähne und kann sich an nichts erinnern. Also beginnt der Professor zu berichten, was in den letzten elf Tagen passiert ist. Von den elf Tagen, in denen er den Tod von Frau und Kind vergessen wollte und seinem Bruder wiederbegegnete…

Eine großartige Geschichte und das Finale?

Die Geschichte von Marc Lucas ist beklemmend und mitreißend. Fitzek greift zu seinem üblichen Trick die Kapitel mit Cliffhangern enden zu lassen, so dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen kann. Der Fortgang der Handlung ist unvorhersehbar und deshalb spannend. Nur: Was groß aufgebaut wird, verlangt natürlich auch eine überzeugende Auflösung – und da muss ich gestehen: Die letzten 50 Seiten von „Splitter“ haben mich mehr als enttäuscht. Die Auflösung der Geschichte funktioniert in meinen Augen einfach nicht. Aber trotzdem ist das Buch eine grandiose Unterhaltung zum Mitfiebern!

 

 

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