[Buch] Der Ruf des Kuckucks (2013)

Autor: Robert GalbraithDer Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith

Originaltitel: The Cuckoo’s Calling

Verlag: Blanvalet

Genre: Kriminalroman

ISBN: 978-3-7645-0510-3

Umfang: 637 Seiten

[Klappentext] Der Tod eines Models

Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt, steht für die ermittelnden Beamten schnell fest, dass es Selbstmord war. Der Fall scheint abgeschlossen. Doch Lulas Bruder hat Zweifel – ein Privatdetektiv soll für ihn die Wahrheit ans Licht bringen. Cormoran Strike hat in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen, mangels Aufträgen ist er außerdem finanziell am Ende. Der spektakuläre neue Fall ist seine Rettung, doch Strike ahnt nicht, was die Ermittlungen ihm abverlangen werden. Während er immer weiter eindringt in die Welt der Reichen und Schönen, fördert Strike Erschreckendes zutage und gerät selbst in große Gefahr…

[Meinung] Eine Leiche, ein Detektiv und viele Verdächtige

Der Kriminalroman (Betonung auf: Roman!) bedient sich der schlichtesten Methode der Ermittlung: der Befragung. Dabei zeigt der Autor interessante Charakterstudien und überzeugt mit lebensechten Figuren. Zudem beherrscht Galbraith eine stilsichere Schreibweise, die ein flüssiges Lesen ermöglicht, weshalb es nicht stört, dass tatsächlich über den größten Teil des Romans nur Befragungen durchgeführt werden und es nicht zu wirklich aktiven Handlungen kommt, die über ein Gespräch hinausreichen. Außerdem ist das Gespann Detektiv und Sekretärin durch und durch sympathisch.

Doch irgendwann, so ab Seite 400, wird das Bedürfnis nach für den Mordfall relevante Informationen groß. Spätestens da wurde ich ungeduldig und ersehnte mir eine große Auflösung. Jedoch wurde ich enttäuscht. Der Kreis der Verdächtigen wird aufgrund der Vorgeschichte und Vorzeichen recht schnell eingegrenzt. Zudem wäre es ab einem gewissen Punkt auch ein ungeschickter Erzählverlauf noch eine völlig fremde Figur als Mörder einzuführen (und ungeschickte Erzählverläufe sind von diesem Autor nicht zu erwarten). Am Ende war ich leicht enttäuscht vom Mörder. Hat man sich erstmal mit dem Gedanken angefreundet, ist man auch nicht überrascht und denkt sich nur: Ja, klar. Die Auflösung ist mir schlichtweg zu kurz und zu unspektakulär. Durch eine geschickte Form der Erzählung wird jedoch der Inhalt gut kaschiert.

Fazit: Mit Sicherheit für Krimifans eine gute Unterhaltung. Für Londonliebhaber sowieso. Aber kein großes Muss.

Bewertung: 5 Rubine von 10

Kuck-kuck, Kuck-kuck

Lasst uns noch kurz über den Titel reden: Der Ruf des Kuckucks. Was will er uns sagen? Mit Sicherheit geht es nicht um ein ornithologisches Problem. Das tote Model wurde allerdings von einem ihrer Freunde Cockuu genannt. Wieso? Weiß auch niemand. Und sonderlich durchgesetzt hat sich dieser Spitzname auch nicht. Titel und Inhalt haben für mich nicht viel miteinander zu tun. Aber es stimmt schon. Ein Titel wie „Das tote Model“, hätte einen falschen Eindruck auf die Leserschaft gemacht.

Nice to know

Wahrscheinlich wisst ihr es schon, aber zwecks der Vollständigkeit sollte noch erwähnt werden, dass sich hinter dem Pseudonym J.K. Rowling verbirgt. Als das Buch unter dem Namen Robert Galbraith erschien, waren zunächst weder Leser noch Kritiker sonderlich interessiert an dem Krimi. Erst als sich die wahre Autorin offenbarte hat sich das geändert.

Was sagt das über unsere Buchwelt aus? Kaufen wir wirklich Bücher? Oder manchmal tatsächlich einfach nur ihr Image? Und wenn jemand anders das Buch geschrieben hätte, hätten es die Kritiker dann auch so gelobt?

 

 

 

 

 

5 Replies to “[Buch] Der Ruf des Kuckucks (2013)”

  1. Hm … interessante Frage. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie wollte, dass Leser und Kritiker das Buch unvoreingenommen beurteilen und deswegen ein Pseudonym verwendet hat. Das scheint am Anfang ja geklappt zu haben. Als dann irgendwer herausgefunden hat, von wem das Buch geschrieben wurde, hat sie entweder entschieden, dass ihr der Rummel „War es wirklich Rowling?!“ auf den Keks geht, sie das nicht ignorieren und keinen mehr anlügen möchte ooooder dass es marketingtechnisch nun super läuft und sich das Buch so viel besser verkauft. Letzteres wäre natürlich die unfreundliche Interpretation. 😀 Bei der Version könnte man ihr auch unterstellen, dass sie selbst die Info geleakt hat. Aber vom Image her wirkt J.K. Rowling ja eigentlich nicht so, als würde sie unbedingt mehr Geld scheffeln wollen. Davon hat sie ohnehin genug. ^^

  2. Ich hab das Buch auch ehrlich gesagt nur wegen dem Namen gelesen, sonst hätte es mich wohl nicht interessiert. Aber ich fand es eigentlich ganz gut, wobei es sich anfangs ziemlich gezogen hat. Deswegen werd ich irgendwann auch noch den Seidenspinner lesen, der ja an Strike anknüpfen soll.
    Der Name eines Autors spielt wahrscheinlich meistens eine große Rolle, wobei man sich ja durch gute Geschichten einen Namen macht. Mich wundert es nur, dass Rowling dann doch zugegeben hat, dass sie Galbraith ist, immerhin hat sie ja aus gutem Grund unter einem Pseudonym geschrieben.

    1. Anfangs ging es… ich fand, am Ende hats sichs mehr gezogen 😉 Bin auf jeden Fall gespannt, was du vom Seidenspinner berichtest! Denn es ist ja keine schlechtes Buch… Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir auch stelle: Warum hat man das Pseudonym aufgelöst? Ich weiß jetzt auch nicht, ob es Rowling selbst war oder ob es einfach so durchgesickert ist… aber irgendwie passt das nicht…

  3. Das ist bei vielen Schriftstellern so, denn die Erwartungshaltung ist gross und so mancher Name Garant für hohe Verkaufszahlen. Selbst dann, wenn der Roman nicht an die vorherigen Erfolge anknüpfen kann.

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