München und ich: Die ersten Male

Ihr wisst ja, dass ich lange Zeit eine Wohnung gesucht habe und nun endlich in München angekommen bin (Angekommen! Welch ein großes Wort! Ich könnte allein darüber einen eigenen Blogeintrag verfassen und es würde damit enden, dass ich eben nicht angekommen bin. Aber die Wohnung… ja, die Wohnung ist schön und ein Ort zum Ankommen). Ich glaube, irgendwo im Halbsatz in der Klammer, hätte die Klammer schon zu ende sein müssen… fangen wir nochmal an:

Hallo, meine lieben Follower! Ich wohne seit zwei Monaten in München und berichte nun über meine ersten Erlebnisse!

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang über den Dächern von München

Die ersten Streifzüge

Du kannst mich im Wald aussetzen, ich finde immer wieder nach Hause. Du kannst mich in London oder Dublin in die entlegendsten Orte bringen, ich finde zurück. Aber München, du verarschst mich mit deiner Straßenführung ja schon ein wenig. Da denkt man, man geht ewig geradeaus, dabei macht man eine riesige Kurve und ist plötzlich schon da, wo man sein wollte oder eben nicht. Gewöhnungsbedürftig.

Was ich aber sofort gelernt habe: Sobald man aus der Haustüre tritt, grüßt man seine Nachbarn nicht mehr. Man guckt sie nicht einmal mehr an. Und irgendwie hat diese Lasst-mich-doch-alle-in-Ruhe-Attitüde auch was schönes. Man ist so anonym und man muss sich so wenig Gedanken machen. Also mal sehen… vielleicht gewöhnt man sich daran…

Ansonsten: Alle 200 Meter eine Apotheke neben einem Friseur.

Das erste Mal Wäsche waschen

Wäsche waschen ist ein großes Thema für mich. Wer meine Geschichte verfolgt hat, weiß das. Und mal ganz ehrlich: Ist es nicht der schönste Luxus auf der Welt, seine Wäsche waschen zu können, wann immer man will? Tja, ich kann das nicht. Ich teile mir zwei Waschmaschinen mit den Bewohnern von zwei Häusern. Gut, eine Uhrzeit, in der die Waschmaschinen frei sind, lässt sich noch finden. Aber: Ich verstehe die Waschmaschinen nicht.

Waschmaschine Nr. 1 ist ein Vorkriegsmodell: kein Display, Knöpfe ausgeleiert, die Schrift lässt sich nicht mehr lesen. Das größte Problem: Für 27 Minuten Strom zahlt man 50 Cent d.h. du musst vor dem Waschen wissen, wie lange der Waschgang dauert, damit du entsprechend Münzen einwerfen kannst. So. Woher weiß ich das denn jetzt ohne Display mit Zeitanzeige. Wie? Ihr meint das steht in der Anleitung? Ihr meint die Anleitung in der noch DM Preise verzeichnet sind? Hmh…

Waschmaschine Nr. 2 ist wesentlich moderner, schicker – mein Liebling! Waschmaschine Nr. 2 redet mit mir und sagt mir, wie lange sie wäscht und was sie dafür von mir will. Nämlich jede Menge 50 Cent Münzen. Wo zum Kuckuck soll man denn so viele 50 Cent Münzer herbekommen?

Ich bin also zur Bank gegangen. Der passende Automat war schnell gefunden, aber auch der zeigte sich ähnlich unkooperativ wie Waschmaschine Nr. 1. Ich wollte mir einen 20 Euro Schein wechseln lassen. Den hat der Automat auch noch genommen. Aber dann will der ja auch noch 80 Cent Wechselgebühr. Ich schmeiße Münze für Münze, Cent für Cent in den Automaten (endlich mal eine Möglichkeit das ganze Kleingeld los zu werden!), aber das kullert fröhlich wieder unten raus. Alles! Ohne Gebühr funktioniert der ganze Vorgang nicht. Was bleibt? Auf „Abbrechen“ drücken. Und es ist nicht so, dass der 20 Euro Schein wieder rauskommt… dieses Spielautomaten-Gefühl werde ich nie vergessen…

Das erste Mal Sex

Bis jetzt lief es also nicht so gut für mich. Und anders als es die Überschrift vermuten lässt, wird es auch in diesem Abschnitt nicht besser.

In neuen Wohnungen ist es immer interessant zu beobachten (oder zu erlauschen) wie und wann Nachbarn mal etwas von sich hören lassen. Eigentlich habe ich sehr viel Glück und sehr ruhige Nachbarn. Also bis auf die Dame, die über mir wohnt.

Ich beschwere mich wirklich nicht über ihre mangelnden Gesangskünste. Ich kann auch nicht singen. Aber wenn nicht in der eigenen Wohnung, wo sonst sollte man dem Impuls einfach mal nachgeben? Es ist okay für mich, dass sie keinen Ton trifft. Nur… es gibt auch Töne, die möchte ich nicht so intensiv hören. Zum Beispiel beim Sex.

Die ersten fünf Minuten dachte ich noch: „Ach, schön. Da sind gerade zwei Menschen bei einer sehr schönen Sache zu gange“. Und ich kann gönnen. Aber spätestens nach 20 Minuten, fragte ich mich dann schon: „Wann kommt sie endlich?“ Penetrantes Dauergestöhne ist nun mal kein angenehmes Guten Nacht Lied. Oder dann ploppen ja auch so Bilder im Kopf auf! Nach 45 Minuten hatte ich skurile 50 Shades of Grey Visionen und an einschlafen war gar nicht mehr zu denken. In Minute 50 hörte ich zum ersten Mal auch ihn (zwischenzeitlich war ich mir nicht sicher, ob meine Nachbarin sich nicht mit sich selbst vergnügte…) und sein Stöhnen klang sehr nach brünftigen Hirsch. Kurz überlegte ich: Wenn ich Teil dieses lauten Liebesspieles wäre, hätten mich die Klänge des Liebsten nicht schlagartig abgeturnt? Aber man empfindet die Geräuschkulisse wohl anders, wenn man selbst beteililgt ist…

Wir können auf jeden Fall festhalten: Beide kamen nacheinander zu einem glücklichen Ende und ich habe mir am nächsten Tag Ohrstöpsel gekauft.

 

Jetzt muss ich Schluss machen und 50 Cent Münzen suchen…

 

Wer aufmerksam mitgedacht hat (was ihr ja alle tut), hat bemerkt, dass es in diesem letzten Donnerstag des Monats keine Review gibt. Aber was soll ich auch groß sagen: „Shameless“ ist auch in der dritten Staffel genial und „The Nice Guys“ kann man doch nur lieben!

2 Replies to “München und ich: Die ersten Male”

  1. So wie ich das sehe, kannst du froh sein, dass ihr brünftiger Hirsch einer der zurückhaltenden Sorte ist und sich die Geräuschkulisse nicht den ganzen Actus über gönnt – und dir zumutet. Ansonsten bin ich froh, dass ich über allen stehe, sitze, liege und schlafe, die Waschmaschine in der Wohnung ist und dass es ein Zeichen von Zuneigung ist, über seine Bleibe zu spotten. 🙂

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