Lenbachhaus und Kunstbau München. Oder: Warum Kunst und ich nicht funktionieren

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und der Kunstbau München zeigen Kunst aus dem 19. Jahrhundert sowie nach 1945 mit Schwerpunkten auf den Blauen Reiter, die Neue Sachlichkeit und Joseph Beuys. Zur der Zeit als ich vor Ort war, gab es eine Sonderausstellung zu Gabriele Münter. Soweit so intellektuell und jetzt lasst uns doch mal wirklich über Kunst reden.

Gilt auch im Lenbachhaus: Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild

Lenbachhaus Empfangshalle

Aber der Kronleuchter im Eingangsbereich vom Lenbachhaus ist schon der Hammer! (Bild: Cat Cle)

Keine Frage: Egal ob Porträt oder Naturlandschaft es ist eine Meisterleistung nur mit Farbe und Pinsel die Realität festzuhalten. Es kostet Zeit und benötigt Talent. Vermutlich war es für viele Künstler des 19. Jahrhunderts auch eine ökonomische Herausforderung. Aber: Wenn ich vor so einem Bild stehe, gibt es mir nichts. Leblos, dunkel und langweilig sind die Worte, die mir beim Betrachten einfallen, die ich aber nicht aussprechen darf. Denn obwohl jeder Besucher (na gut, es gibt zwei oder drei Ausnahmen) vermutlich den gleichen Gedanken hatte, sprach es niemand aus.

Worüber ich nie nachgedacht habe: In Kunstgalerien herrscht eine ähnlich aufgezwungene Stille wie in Bibliotheken. Man wird böse angeschaut, wenn man laut spricht. Ist es wirklich böse gemeint? Oder sagt der Blick: „Du hast so Recht und ich hasse dich dafür, dass du das hier laut aussprichst und ich so tun muss, als könnte ich mit der Kunst hier was anfangen?“.  Das 19. Jahrhundert ließ ich also schnell hinter mir und landete an einem verstörenden Ort mit Kunst von Joseph Beuys.

Wer sagt, dass das Kunst ist?

Joseph Beuys, Joseph Beuys, Joseph Beuys… Der Name lässt in mir etwas klingeln. Aber nur, weil es Straßen und Schulen gibt, die nach ihm benannt sind. Darum ging ich davon aus, dass auch Kunst hinter dem Namen steckt, die wenigstens annähernd ansprechend ist. Aber nein. So war es nicht.

Begrüßt wurde ich von einer Installation, die sich um eine alte Schultafel aufbaute. „Gefühle“, „Seele“ standen mit Kreide darauf. Davor ein Tisch mit einer Pizza (oder hat da jemand hingekotzt?) und rotkupferfarbene Geräte. Ein Trichter oder so etwas, aber umgekippt. Ein Besen oder so etwas angelehnt an der Wand. Ebenso in Rot ein Rechteck an der Wand aufgehängt. Titel der Installation „Vor dem Aufbruch aus dem Lager I“.

Und natürlich hängt eine Tafel an der Wand mit einer Beschreibung, mit Hintergrundinformationen, vielleicht auch mit einer Interpretation. Aber die wichtigste Frage wird nie geklärt: Warum ist das Kunst? Weil der Künstler sagt, dass es Kunst ist? Weil ein elitärer Kreis von Kunstkennern das Werk als Kunst anerkannt hat? Weil es jetzt hier im Museum steht? Und das muss ich hinnehmen? Wenn ich jetzt sagen, das ist keine Kunst? Welche Wirkung hat das? Das Werk bleibt stehen. Und niemand, der daran vorbeigeht, wird etwas mitnehmen – darauf wette ich!

Malerei vs. Fotografie

Garbiele Münter Sonderausstellung im Lenbachhaus München

Gabriele Münter Sonderausstellung (Bild: Cat Cle)

Und dann habe ich doch mein kurzes Glück gefunden. Zum einen befindet sich die Sonderausstellung zu Gabriele Münter direkt neben dem U-Bahnhof. Schon allein die Idee, Kunst in die Stadt einzupflanzen, finde ich großartig, auch wenn man leider nichts mehr davon spürt, sobald man die Kunsthalle betreten hat. Und zum anderen war Gabriele Münter gar nicht die langweilige in Murnau auf der Veranda sitzende und die Landschaft malende Frau, für die ich sie immer gehalten haben. Ganz im Gegenteil! Gabriele Münter hat die Welt gesehen und das war für eine Frau um 1900 nicht selbstverständlich. Ganz besonders hat mir ihr Aufenthalt in Texas gefallen, denn davon gibt es Fotografien!

Endlich keine leblosen Malereien mehr! Endlich echte Bilder! Natürlich waren sie grottenschlecht, weil oft verschwommen und völlig planlos. Aber Fotografie schafft eben etwas, das die malende Kunst nicht kann: Sie fängt Leben ein. Und plötzlich schien es mir so absurd Fotografien von Menschen zu sehen, die um 1900 lebten und selbstverständlich auch die Kleidung aus dieser Zeit trugen. Solche Kleidung ist mir natürlich bekannt – aus Filmen. Und genau das ist der springende Punkt: In Filmen sind es nur Nachahmungen, oft perfekt, aber eben nicht echt. Auf den Fotos war so viel Echtheit, die mich begeisterte!

Was jetzt noch zu sagen bleibt

Kunst und ich – das kann man machen, muss aber nicht sein. Ins Lenbachhaus kann man auch mal gehen, schon allein weil es ein tolles Gebäude mit schickem Garten ist. Aber bitte: Nehmt das mit der Kunst nicht so ernst…

 

 

PS: Sind Bücher nicht wahre Kunst unserer Welt? Schaut doch mal in mein Bücherregal und lasst euch inspirieren!

 

 

One Reply to “Lenbachhaus und Kunstbau München. Oder: Warum Kunst und ich nicht funktionieren”

  1. Ich liebe Kunst, obwohl ich den Begriff für sehr schwammig halte.
    Meine liebste Formist der Film. Aber jede Kunstform hat etwas für sich.
    Bei der Malerei liebe ich das Diskutieren und Interpretieren.

Kommentar verfassen