Haruki Murakami – Schriftsteller und Läufer

Haruki Murakami Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede„Ein Naturell wie das meine ist wahrscheinlich nicht sonderlich beliebt“ (S. 25), schreibt Haruki Murakami in „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ *. Inwiefern Selbstbild und Fremdbild übereinstimmen, sei dahin gestellt. Sicher ist: Seine Bücher sind beliebt.

Seinen Durchbruch hatte der japanische Autor und Übersetzer mit dem Romanen „Wenn der Wind singt“ (1979) und „Pinball 1973“ (1980). Er ist bekennender Fan von Franz Kafka und Fjodor Michailwitsch. Sein besonderes Interesse gilt aber der amerikanischen Literatur. Er übersetzt die Werke von Autoren wie F. Scott Fitzgerald, John Irving oder Truman Capote in die japanische Sprache und zählt daher als Bindeglied zwischen westlicher und asiatischer Kultur. Außerdem begeistert er sich für Baseball und hatte am 1. April 1978 bei einem Spiel im Jingu-Stadion aus heiteren Himmel die Erkenntnis: „Ich werde einen Roman schreiben“ (S. 31).

Was sich Murakami vorgenommen hat, zieht er auch durch. Genauso konsequent wie beim Schreiben ist er auch beim Laufen. Mit großer Disziplin zieht er sein Training durch und läuft einen Marathon nach dem anderen.

Ich bin ein Mensch, der sich einer Sache völlig verschreiben muss, ganz gleich, was es ist. (S. 35)

Er ist davon überzeugt, dass er das Laufen braucht um gut schreiben zu können. Um größere Schaffenskraft zu erlangen, müsse man seine körperliche Kraft steigern, schreibt er. Und für ihn geht die Rechnung in jedem Fall auf: Sein letzter in Deutschland veröffentlichter Roman „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ (2014) verkaufte sich am Erscheinungstag mehr als 100.000 Mal und hatte eine Erstauflage von 600.000 Exemplaren, die mehrfach erhöht wurde.

Murakamis persönlichstes Buch

„Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ ist ein autobiographisches Buch. Murakami dokumentiert darin seinen Werdegang als Läufer und zieht immer wieder Parallelen zu seinem Sein als Schriftsteller. Möglicherweise könnte man das ganze Buch als eine Metapher oder Parabel auf das Schreiben lesen – aber das will es nicht sein. Hier hat einfach nur ein Autor niedergeschrieben, was ihn an seinem privaten Hobby fasziniert und was ihn dabei bewegt. Wer es liest, bekommt zwar durchaus das Bedürfnis aufzuspringen und selbst loszulaufen. Doch wer selbst kein Läufer ist, wird die Lektüre wohl eher interessant als spannend empfinden.

Fazit:

Im Gegensatz zu Stephan Kings „Das Leben und das Schreiben“ nur ein kleines Herzensprojekt des Autors. Durchaus sympathisch, aber nicht mehr als ganz nett.

 

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* Murakami, Haruki: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“, 1. Auflage, btb-Verlag, Köln, 2010.

 

4 Replies to “Haruki Murakami – Schriftsteller und Läufer”

  1. Danke für die Verlinkung 😉 Leider habe ich die beiden Bücher in denen Murakami über sein Leben schreibt noch nicht gelesen. Ich habe mir selber die Aufgabe gestellt, dass ich die erst in Angriff nehme, wenn ich mehrere Romane von ihm gelesen habe und das Gefühl habe, dass ich den Mensch dahinter jetzt ergründen muss. Mal schauen wie sinnvoll das ist … aber alles in allem finde ich den Typ und seine Bücher irre spannend und würde ihn gern mal treffen. Leider ist er eher nicht der Typ für Lesetouren :/

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