Fleabag- Eine gierige, perverse, selbstsüchtige, abgestumpfte, zynische, verkommene, moralisch bankrotte Frau

Sie zuckt zusammen, wenn ihre Schwester sie liebevoll umarmen möchte. Sie weicht aus, weil sie Angst vor Schlägen hat und schlägt vorsorglich schon mal zurück. Sie betrügt ihren Freund und hat ziemlich lustlosen Analsex mit relativ fremden Männern. Egal. Der Freund kommt eh immer wieder zurück. Und manchmal ist es gut, dass sie Schluss machen. Denn bevor er geht, macht er immer die Wohnung sauber. Und wenn mal kein Mann mehr da ist, hat sie immer noch ihr Meerschwein.

„Er hat sogar einmal die ganze Wohnung geputzt. Als ob’s ein Tatort wäre. Ich hatte schon überlegt, ihm dann den Laufpass zu geben, wenn’s die Wohnung wieder nötig hat.“ (Fleabag, Staffel 1)

Das Leben von Fleabag (Phoebe Waller-Bridge) ist kaputt. Ein anderes Wort gibt es dafür nicht. Seitdem sie ihre beste Freundin (Jenny Rainsford) als einzig wahre Vertraute bei einem Fahrrad-/Autounfall verloren hat (Es war kein Selbstmord. Der Tod am Ende des Unfalls war nicht geplant), ist sie eine kaputte Frau – und war es vielleicht auch vorher schon. Nur alleine ist es schwerer geworden die eigene Kaputtheit zu ertragen.

Und es tut so schrecklich weh zu sehen wie ihr niemand helfen kann, weil auch alle anderen Figuren an zwischenmenschlicher Armut leiden. Trotzdem versucht Fleabag sich zu ändern, weiß aber nicht wie.

Von der Bühne auf den Bildschirm

Fleabag - Amazon Original SeriesDie Serie beruhigt auf einem Ein-Frau-Theaterstück von Phoebe Waller-Bridge. Und so erklärt sich auch der Erzählstil: Die Figur Fleabag ist im ständigen Austausch mit dem Zuschauer. Aber nicht wie Elliot in „Mr Robot“ als erklärende Stimme im Off. Fleabag sieht direkt in die Kamera und kommentiert für uns ihre Gedanken, das was sie sieht und was geschieht, nur um uns zu erklären,dass eigentlich alles gut ist, obwohl es offensichtlich nicht so ist.

Warum sollte man Fleabag trotzdem sehen?

Phoebe Waller-Bridge spielt nicht nur Fleabag, sie ist Fleabag. Sie schrieb das Bühnenstück, dann entstand die 6-teilige BBC-Miniserie und erst dann landeten die Folgen bei Amazon Prime. Alleine dieser Entstehungsprozess macht die Serie anders und einzigartig im Vergleich zu vielen anderen Serien über orientierungslose Großstadtfrauen.

Fleabag erfüllt keine Clichés, erzählt aber direkt aus dem Leben. Fleabag ist voll von anstrengenden Persönlichkeiten, die so menschlich sind, das wir sie alle kenne. Fleabag spricht über Tabus. Fleabag joggt über den Friedhof und gibt damit mit ihrem Leben an. Und genau diese „Es ist mir egal, was sich gehört und was ihr denkt“-Haltung macht Fleabag zu einer absolut sehenswerten Serie.

 

Doch lieber Lust auf mehr Action? Dann verrate ich euch, warum Orphan Black total geil ist!

 

3 Replies to “Fleabag- Eine gierige, perverse, selbstsüchtige, abgestumpfte, zynische, verkommene, moralisch bankrotte Frau”

  1. Die fand ich auch recht erfrischend, auch wenn ich mich zu Beginn an die direkte Publikumsansprache gewöhnen musste, weil das darf doch nur Deadpool. 😉

Kommentar verfassen