„Die Spionin“ von Paulo Coelho: Mata Hari und ihr einzigartiges Lebens

Der Brasilianer Paulo Coelho ist bekannt für Weltbestseller wie „Der Alchemist“, „Elf Minuten“ oder „Untreue“. Seine Werke wurden in 81 Sprachen übersetzt und so erreichte er eine bisherige Weltauflage von über 210 Millionen Exemplaren. Das setzt die Messlatte hoch! Ob Coelho die Erwartungen an „Die Spionin“ erfüllt?

Mata Hari: Die Geschichte einer Spionin?

Die Spionin von Paulo Coelho

„Die Spionin“ von Paulo Coelho

Das holländische Mädchen Margaretha Zelle kennt niemand. Mata Hari hingegen hat sich in den Geschichtsbüchern eingebrannt. Die Tänzerin machte während des 1. Weltkrieges aufgrund ihrer Freizügigkeit von sich Reden und wurde schließlich aufgrund des Spionagevorwurfs hingerichtet. Paulo Coelho lässt die Feministin im Gefängnis noch einen letzten Brief schreiben. Darin berichtet sie ihrer Tochter über ihr Leben, die Liebe und den Drang frei zu sein.

Freiheit war genau das, was sie in ihrer Ehe vermisste: Als junges Mädchen heiratete sie einen sehr viel älteren Offizier, der in einer ostindischen Kolonie stationiert war. Im vermeintlichen Paradies war sie eingesperrt und der Gewalt ihres Mannes ausgesetzt. Also beschließt sie zu gehen. Sie macht sich auf den Weg nach Paris, wo sie als Tänzerin berühmt wird. Damit liegen ihr Männer und Geld zu Füßen. Doch der Druck ist groß und andere Frauen – jüngere Frauen – eifern ihr nach um die nächste Mata Hari zu werden.

Und genau das war auch ich, eine Spielerin. Eine Spielerin, deren Ziel im Spiel la vraie vie war. (S.125)

Schließlich verliebt sie sich in einen russischen Soldaten – der entscheidende Fehler, der sie als Doppel-Spionin auffliegen lässt. Oder war sie gar keine Spionin? Was hat sie sich wirklich zu Schulden kommen lassen? Auch ihr Verteidiger wirft einen Blick zurück auf den Prozess und muss erkennen, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Paulo Coelho ist ein Meisterwerk gelungen

Ich habe das Buch in nur zwei Tagen durchgelesen. Das liegt zum einen an den kurzen Kapiteln, die zum Weiterlesen verführen, aber zum anderen auch am flüssigen Schreibstil. Ich hatte wirklich das Gefühl einen Brief zu lesen und sein Inhalt war packend. Die Lebensgeschichte von Mata Hari ist einzigartig. Inwieweit die persönlichen Gedanken der Protagonisten mit den Gefühlen der historischen Figur übereinstimmen sei dahin gestellt. Das Entscheidende: Sie sind nachvollziehbar und berühren. Trotzdem streift der Autor nur eine Gefühlswelt und so wünschte ich mir manchmal mehr zu erfahren – auch über die Ereignisse und Zusammenhänge.

Dennoch ist es ein überaus spannendes Buch über eine aufregende Frau, die sich nichts sehnlichster wünschte als frei zu sein und die mit diesem Wunsch genauso auch eine Figur aus dem 21. Jahrhundert hätte sein können.

Ich bin eine Frau, die im falschen Jahrhundert geboren wurde. Ich weiß nicht, ob sich in der Zukunft jemand an mich erinnern wird, aber wenn doch, dann möchte ich nicht als Opfer gesehen werden, sondern als eine Frau, die mutig ihren Weg gegangen ist und furchtlos den Preis dafür gezahlt hat. (S.24)

 

 

 

Lust auf mehr historische Geschichten über starke Frauen? Kennt ihr schon „Über uns der Himmel, unter uns das Meer„?

2 Replies to “„Die Spionin“ von Paulo Coelho: Mata Hari und ihr einzigartiges Lebens”

  1. Klingt sehr spannend! Nicht zuletzt weil sie eine sehr spannende Person ist. Aber für mich noch nicht so ganz greifbar. Bin in Buchhandlungen allein innerhalb der letzten 2 Monate so oft dran vorbei gegangen und bin immer noch unschlüssig, ob es ein Buch für mich ist.

    1. So ganz greifbar wird sie in dem Buch auch nicht. Aber trotzden ist es spannend und ich glaube, das macht Persönlichkeiten wie Mata Hari aus, dass sie eben ein Mythos umgibt, der sich nicht ganz erklären lässt. Aber auf jeden Fall eine starke Frau!

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