Crimson Peak oder wie ich versuchte mich zu gruseln

Ich hasse Horrorfilme. Ehrlich, ich werde Horrorfilme nicht mehr los. Sie kommen immer wieder in mein Leben – bevorzugt nachts. Meine Fantasie macht Dinge aus dem Grusel, das glaubt ihr nicht. Deshalb habe ich jahrelang einen Bogen um Horrorfilme gemacht. Neulich fragte Michael (dessen Blog nachdenkzeiten leider gerade eine Pause einlegt und noch auf sein Comeback wartet) mich jedoch nach Horrorfilmen. Und ich googelte mich durch das Internet. Vielleicht googelte ich nach Tom Hiddelston. Und ich las Edgar Allen Poe. Die Anzeichen verdichteten sich. Und Horrorfans wissen: Wer Anzeichen ignoriert, wird in ein böses Ende laufen. Dann stieß ich auch noch auf einen Film-Trailer, der mir sofort gefiel, und ich sammelte meinen Mut zusammen! Ich wartete auf das nächste Gewitter (okay, das war Zufall) und schaute Crimson Peak! Die Decke im Anschlag, um jederzeit die Augen bedecken zu können, war ich bereit fürs Gruseln. Weil ich mich überwinden wollte. Und irgendwie gehört das doch zum Erwachsensein dazu, das man auch mal einen Horrorfilm verkraftet… oder nicht?!

Dann kam alles anders.

Aber was dann passierte, lest ihr am Besten in meinem Gedankenstrom während des Films.

Eine Gruselgeschichte…

Selbst der Universal-Schriftzug ist schon in Blutrot getaucht – das nenne ich mal eine Corporate Identity!

Crimson Peak

Mia Wasikowska mit Synchronisationsstimme, die für Gruselfilme wie geschaffen ist

„Es gibt Geister.“ Wenn Mia Wasikowska das sagt, dann glaube ich ihr alles. Wobei es eher ihre Synchronisationsstimme ist, der ich alles glaube. Ich möchte Wasikowska nie im englischen Orginal hören, weil mir die Synchro zu gut gefällt!

Sehr nett… der Film beginnt mit einem meiner Kindheitstraumata. Hat doch jeder schon mal durchgemacht: Man liegt unbekümmert im Bett und dann kommen Schatten. Und die legen sich dann neben dich und flüstern dir was ins Ohr! Das sitzt. Aber vor allem wegen der Musik. Ist Grusel tatsächlich nur ein Phänomen, das von akustischer Untermalung getragen wird?

Egal… jetzt kommt erstmal Tom Hiddelston! Das nenne ich mal ein charmantes Grinsen! Hoffentlich wird er nicht James Bond… ich mag diesen James Bond-Hype nicht… wissen wir das eigentlich schon sicher, dass ein neuer Bond gesucht wird? Gab es da schon eine offizielle Stellungsnahme?

Oh die Tür! Klinken, die sich von selbst bewegen… schon wieder ein Kindheitstrauma!

Aber warum hat man eigentlich Angst vor Geistern? Können die einem was, außer durchsichtig durch die Gegend schweben?… Oh nein! In diesem Film können die Geister tatsächlich was! Sie können Menschen berühren! Wie krass ist das denn!!! Ich habe keine Argumente mehr gegen Geister… das wird nächste Nacht hart…

Ich wäre Tom Hiddelston ja sofort um den Hals gefallen und hätte ihn angefleht mich

Crimson Peak

Tom Hiddelston sollte nicht James Bond werden… oder doch?

mitzunehmen. Mia Wasikowska macht das erwachsener. Steht ihr auch unheimlich gut diese Contenance!

Schwester als einzige im blutrotem Kleid… die ist bestimmt böse… Schwestern in blutroten Kleidern sind immer böse…

Man man man… diese Kerzen… das war damals halt noch echte Handarbeit! Da konnte man sogar Walzer mit tanzen! Wtf?

Sterbende Schmetterlinge… ein kleines, aber feines böses Vorzeichen…

Andeutungen! Andeutungen! Andeutungen! Der Zuschauer weiß schon, dass was nicht stimmt, Vati auch… klar muss Vati jetzt zum Schweigen gebracht werden! Und ehrlich: Das war der schönste Mord, den ich jemals an einem Waschbecken gesehen habe!

Boah… und das war eine mega clevere Manipulation! Ich will Menschen auch so manipulieren können.. ich will blutrote Kleider tragen… äh… nein… das hab ich jetzt nur so gesagt…

Wir haben also wieder eine Leiche, ist schon ne halbe Stunde rum und es wäre doch mal wieder Zeit für nen Geist. Oder nicht? Hallo?

Kein Geist… dafür ein düsteres Manderley… besser gesagt, das karge Cumberland. Cumberland… Cumberbatch… kommen wir zum ersten Fun-Fact (gibts mehr als einen Fun-Fact?): Ursprünglich sollte Benedict Cumberbatch die Rolle von Tom Hiddelston spielen. Statt Mia Wasikowska war Emma Stone vorgesehen. Ich finde beide Paarungen toll, aber im Moment bin ich froh, dass es Wasikowska und Hiddelston geworden sind.

Crimson Peak

Jessica Chastain… böse Schwester… ganz böse Schwester…

Spiegel… in Gruselfilmen immer gefährlich… aber der berühmte Spiegelschreckmoment bleibt aus.

Lass den Hund überleben!

„Fahre niemals tiefer als bis ins Erdgeschoss.“ Ich schließe jetzt mal eine Wette ab: Sie fährt mit dem Aufzug bald tiefer als bis ins Erdgeschoss.

Nackt in der Badewanne. Das ist aber jetzt mal wieder ein idealer Zeitpunkt für einen Geist!

Jipieh! Ich hatte Recht! Der Schatten einer Frau… sie scheint Hiphop zu mögen… sieht nach Crumping aus… verdammt… Mia hat sich zu spät umgedreht um am Hiphop-Wettbewerb teilzunehmen.

Komische Geräusche in alten Gemäuern mit Wind erklären – geht immer!

Schauderhaftes Porträt von schauderhaften Schwiegermutter – spätestens jetzt weiß man doch, dass man nicht zu dieser Familie gehören möchte.

Okay! Mega verdächtig wie sie immer diesen Tee trinken soll!

Nächtlicher Horrormoment…. ich fühle mich nicht erschreckt… okay jetzt doch!

Und natürlich gehts jetzt mit den Fahrstuhl nach unten… Endlich kapiert Mia (die ja in dem Film Edith heißt), dass was nicht stimmt. Und weil sie trotzdem in dem Haus bleibt (mich seht ihr schon über alle sieben Berge rennen), stellt sie sich natürlich nachts ins Schlafzimmer und bittet um ein Zeichen. Spätestens bei dem Geist mit Beil im Koppe, das mir sagt, ich solle verschwinden, wäre ich doch weg!

Uh… und dann kommt einem auch noch die böse Schwester auf die Schliche…

Hatse endlich kapiert, dass sie weg muss, renntse mitm Nachthemd in Schneesturm. Verdammt aber auch. Drehbuch arbeitet gegen sie.

Wirbelbruch! Eindeutig! So viel habe ich in den Arztserien gelernt: ist die Wirbelsäule kaputt, kannste dich nicht mehr bewegen.

Offensichtlich gilt das nicht für Horrorfilme…

Messer in Hauptschlagader gerammt… auch immer wieder ne gute Methode… aber in Gruselfilmen scheinen die Menschen unkaputtbar zu sein!

Geister hatten wir ja jetzt auch schon lange nicht mehr… Hallo Geister? Ihr wart irgendwie lusitger als das Psychopathen-Geschwisterpaar…

Und schon wieder spritzt Blut! Fontänenhaft! Aber zum Sterben reicht es einfach nicht!

Ist das jetzt schon Splatter? Ich muss Splatter mal googeln…

Auf jeden Fall hat jetzt jeder so seine Einstichlöcher. Man rennt trotzdem noch recht lebendig durch die Gegend. Macht aber auch alles echt viel her: Blut, rote Erde und Schnee!

Endlich das Hackebeil! Jetzt kann es doch wirklich zum finalen Abschlachten gehen!

Und am Ende ganz klassisch mit der Schaufel erschlagen! Hätte keine Slapstick Comedy besser hingekriegt!

… oder sowas ähnliches

Ich hätte vorher recherchieren sollen. „Crimson Peak“ läuft zwar unter der Rubrik Mystery-Horror, Guillermo del Toro nennt es aber Gothic Romance. Gothic Romance ist neu für mich. Ich fands aber irgendwie cool. Kennt ihr Filme aus dem Genre Gothic Romance? Habt ihr eine Empfehlung? Ich glaube, das wird mein nächstes Lieblingsgenre!

Was der Film kann?

Opulente Kostüme in ein fantastisches Szenenbild setzen. Effekte umsetzen. Figuren mit tiefen Liebesgefühlen zeigen.

Was der Film nicht kann?

Überraschen. Echten Grusel hervorrufen.

 

10 Replies to “Crimson Peak oder wie ich versuchte mich zu gruseln”

  1. Haha, coole Kritik. Ich hasse Horrorfilme auch, aber nur weil sie mich durchgehend langweilen. Tatsächlich hätte Benedict den Typen spielen sollen? Naja, gut für mich, denn der Film hat mir nicht recht gefallen. Empfand ihn ähnlich wie du, einfach nicht zum gruseln.
    Aber Mia Wasikowska fand ich großartig in der Rolle.

  2. „Schwestern in blutroten Kleidern sind immer böse…das Drehbuch arbeitet gegen sie“ – ich habe sehr gelacht 😉 Tatsächlich bin ich eher so an den Film rangegangen „Das wird bestimmt sexy und gruselig“ und war dann eher enttäuscht, weil ich letztendlich nur die Kleider schön fand.
    Ansonsten bin ich aber auch froh, dass es Hiddleston und Wasikowska geworden sind – Emma Stone passt für mich irgendwie nicht so ganz in den Stoff.Aber Cumberbatch … Cumberbatch geht immer …

    1. Gerade bei dem Film habe ich es wieder gemerkt: Wenn man mit wenig Erwartung rangeht, wird man immer überrascht. Deshalb gewöhne ich mir gerade die großen Erwartungen ab 😉

  3. Sehr sehr amüsant zu lesen. 😀 Ich kann mir so schön vorstellen, wie du mit der Chipstüte oder ähnlichem empört rumgestikulierst: „Und dann renntse mim Nachthemd in nen Schnee!“ Okay, vielleicht auch nur, weil ich das so machen würde. Man weiß es nich … ^^

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