Sansibar, Alabama, Siena, Wyoming… wohin Bücher mich führten

Das Jahr neigt sich dem Ende und um keine Altlasten nach 2016 zu transferieren, gibt es heute einen großen Rundumschlag: Von Sansibar über Siena nach Wyoming zu vielen weiteren Zwischenstopps führten mich die Bücher, die dringend noch 2015 besprochen werden sollten!

„Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch

sansibar-oder-der-letzte-grund1. Schulaufgabe aus dem Deutschen Klasse 10b 17.11.03

Charakterisiere Gregor (…) Gehe in deiner Charakterisierung differenziert auf folgende Leitfrage ein: Wie kommt Gregor zu der Einsicht, „(…) man kann alles richtig machen und dabei das Wichtigste versäumen“ (S. 127) und was bedeutet sie für ihn?

Wahrscheinlich hielt ich dieses Buch am 17.11.03 das letzte Mal in Händen. Es war die erste Schulaufgabe, auf die wir uns mit Hilfe des Internets vorbereitet hatten. Irgendjemand hatte Charaktersierungen von allen Protagonisten im World Wide Web gefunden und diese kopierten wir uns fleißig und lernten sie auswendig. Ich zumindest. Meine Sitznachbarin begann am Tag der Schulaufgabe gerade mal das Buch zu lesen. Am Ende hatten wir beide die gleiche Note – ich frage mich bis heute, ob das mehr über mich oder über sie aussagt.

An diese Umständ kann ich mich noch sehr genau erinnern, an den Inhalt das Buches umso weniger. Nachdem ich es jetzt noch einmal gelesen habe, bin ich mir nicht mal sicher, ob ich damals den Inhalt überhaupt verstanden habe…

Worum geht es?

Der Junge, Gregor (KPD Funktionär), Judith (Jüdin) und die Holzplastik des lesenden Klosterschülers wollen weg aus diesem Ostseekaff. Weg von den Enttäuschungen, weg von dem Nazi-Regime, das ihr Leben verändert hat. Auch der Pfarrer Helander und Fischer Knudsen spielen eine wichtige Rolle und flüchten auf ihre spezielle Weise.

Andersch bringt eindringlich die Gefühlswelten seiner Darsteller zum Ausdruck. Obwohl es nicht viel aktive Handlung gibt, wird es dem Leser dadurch nie langweilig. Ein überaus beeindruckendes Buch!

„To Kill a Mockingbird“ von Harper Lee

to_kill_a_mockingbird

Ich habe bis jetzt zwei Bücher gelesen, die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden: „To Kill a Mockingbird“ und „Der Distelfink“. Beide vereint die Vogelart im Titel, eine faszinierend greifbare Charakterisierung der Protagonisten und ein langes Warten auf den eigentlichen Konflikt.

MissBooleana und Phantasienreisen haben ihre große Aktion #ToReadAMockingbird gestartet und mich neugierig gemacht. Natürlich ist es eine oft erzählte Geschichte: Der Rassismus in den Südstaaten der USA sorgt in den 30iger Jahren für eine unfaire Gerichtsverhandlung eines schwarzen Angeklagten, der unschuldig ist. Doch was Harper Lees Werk so besonders macht, ist die Erzählperspektive. Wir bekommen die Geschehnisse aus der Sicht der kleinen Scout erzählt, die unbefangen kindliche Fragen aufwirft und die Dinge vorurteilsfrei, aber geprägt von einem großen Gerechtigkeitssinn einordnet.

„To Kill a Mockingbird“ beinhaltet sehr spannende Gedankengänge und Personen-/Gesellschaftszeichnungen. Wie gesagt, der Konflikt lässt etwas lange auf sich warten und die Spannung ist aufgrund der recht oft erzählten Thematik auch nicht mehr so groß. Aber wenigstens ist die Handlung sehr schön erzählt.

„Julia“ von Anne Fortier

u1_978-3-596-51263-8

Ich habe dieses Buch geliebt! Damals… als ich es zum ersten Mal gelesen habe. Das mag inzwischen zwei/drei Jahre her sein. Und weil ich es so liebte, habe ich es all meinen Freunden empfohlen. Dann kam Fortiers Nachfolger auf den Markt und ich war so enttäuscht („Die geheimen Schwestern„)! Und plötzlich fiel mir auf, ich wusste auch gar nicht mehr, was in „Julia“ passierte! Hatte ich eine falsche Erinnerung? War das Buch gar nicht so gut? Hatte ich meinen Freunden Schrott empfohlen? Es half einfach nichts: ich musste das Buch erneut lesen.

Und zum Glück ist alles gut! Das Buch ist schön, natürlich etwas Romeo und Julia-mäßig schmalzig, aber ansonsten recht überraschend und eine abenteuerliche Schatzsuche. Fazit: Ich kann das Buch immernoch bedenkenlos weiterempfehlen!

Es geht übrigens um die Geschwister Julia und Janice, deren Vorfahrin die Vorlage von Shakespears Julia war. Nach dem Tod ihrer Tante kehren sie in das italienische Siena zurück und versuchen den Geheimnisse ihrer Familiengeschichte auf den Grund zu gehen. Dabei begegnen sie Freunden und Feinden und irgendwie ist alles anderes als sie dachten…

„Alle Toten fliegen hoch Teil 1: Amerika“ von Joachim Meyerhoff (Hörbuch)

688_00846_107937_xl

Der moderne Taugenichtsroman erzählt die Geschichte eines jugendlichen Heldens, der auszog um Amerika zu entdecken. Genau genommen Laramie, Wyoming. Schon der Weg dorthin wird mit herrlicher Ironie und subtiler Komik zu einem Spaß für den Leser. Meyerhoff hat eine unglaubliche Beobachtungsgabe und macht den Kulturschock zu einer amüsanten Reise.

Eigentlich bin ich eher zufällig über dieses Hörbuch gestolpert. In die Intonation von Meyerhoff musste ich mich erst ein wenig reinhören, aber er brachte mich schnell zum Schmunzeln. Wenn es nicht so dick wäre, würde ich sagen: das perfekte Buch zum Nebenbeilesen!

Habt ihr eines der Bücher gelesen? Wie fandet ihr es? Könnt ihr euch nach an die Bücher aus eurer Schulzeit erinnern? Also so richtig an ihren Inhalt? Was war euer Highlight-Buch 2015? Welches habt ihr euch für 2016 vorgenommen?

One Reply to “Sansibar, Alabama, Siena, Wyoming… wohin Bücher mich führten”

  1. Ach, Sansibar haben wir damals auch in der Schule gelesen, das müsste in der 9. oder 10. Klasse gewesen sein. Und To Kill A Mockingbird musst eich für die Uni lesen und ich war echt überrascht, dass es so gut war. Aufgrund der Thematik dachte ich eher, dass mir das Buch nicht gefallen wird, aber mir hat das echt gefallen und ich hab das recht schnell durchgelesen gehabt. Meiner Meinung nach auch definitiv ein Buch, das man gelesen haben sollte, vor allem, wenn man Anglistik studiert!

Kommentar verfassen